El Dorado 12: Luxussegment oder Einstiegsklasse?

Bei der Herkunft eines Rums denken die meisten Menschen an Länder wie Jamaika oder Kuba, jedoch selten an Guyana. Dabei gilt Guyana unter den rumherstellenden Ländern aufgrund seiner Destilliermethoden als Exot. Denn im Gegensatz zu ihren Konkurrenten auf der Welt setzt Guyanas einziger Rumproduzent Demera Distillers Limited nicht auf Brennblasen aus Metallen wie Kupfer, sondern auf die alten Brennblasen aus Holz wie zum Beispiel die Wooden Continuous Coffey und ist mit ihrer Marke El Dorado weltweit bekannt. Insbesondere der El Dorado 12 Jahre erfreut sich unter Einsteigern des Süßrums einer großen Beliebtheit.

Hintergrund

Waren es im 19. Jahrhundert noch über 200 Destillerien in Guyana, hatte sich die Zahl Anfang des 20. Jahrhunderts bereits auf Handvoll verringert. Doch auch diese fielen dem Rückgang des Rum-Booms zum Opfer, sodass sich in den 80er Jahren auch die letzten verbliebenen Rum-Destillerien Enmore, Uitvlugt, Port Mourant sowie Versailles dazu entschieden sich mit der Diamonds Distillery zukünftig unter dem Namen Demera Distillery Limited (DDL) zusammen zu schließen. Zum Glück entschied sich Demera Distillery Limited nicht dazu die Brennblasen der anderen Standorte aufzugeben, sondern sie dort abzubauen und in der Produktionsstätte der Diamond Distillery wieder aufzubauen, sodass sie heute auf eine Vielfalt von Brennblasen zurückgreifen kann, die in der Rumwelt ihresgleichen sucht.

Hierzu gehören unter anderem die folgenden Brennblasen:

  • Wooden Continuous Coffey/EHP Wooden Still :Diese Holz-Brennblase von der ehemaligen Enmore Distillery produziert milde, fruchtige Rums.
  • Double Wooden Pot Still: Rumsorten aus der Holz-Brennblase von der ehemaligen Port Mourant Distillery zeichnen sich insbesondere durch ihre Schwere und Aromatik aus.
  • Single Wooden Pot Still: Aus dieser Holz-Brennblase von der Versailles lassen sich wie auch aus der Double Wooden Pot Still schwere, aromatische Destillate gewinnen
  • Four Column French Savalle Still: Die einzige Metall-Brennblase stammt ursprünglich von der Uitvlught Distillery und wird für die Produktion von leichten ,süßen Destillaten eingesetzt.

Herstellung

Bei dem El Dorado 12 handelt es sich um einen sogenannten Blended Rum. Es werden also mehrere Einzeldestillate miteinander vermischt um einen gleichbleibenden Geschmack zu erreichen. Beim El Dorado 12 stammen die Destillate aus der Double Wooden Pot Still, der Wooden Continuous Coffey sowie der Four Column French Savalle Still. Die hieraus verwendeten Destillate durften vor der Verblendung für mindestens 12 Jahre in amerikanischen Eichenfässern lagern. Um die gewünschte Süße zu erreichen wurde zum Schluss noch Zucker hinzugefügt.

Geruch

Direkt nach dem Ausschenken des El Dorado 12 ins Glas nimmt man einen starken Duft nach Spiritus wahr . Um die Holznoten des El Dorado 12 wahrnehmen zu können, muss man ihm viel Zeit im Glas zum akklimatisieren geben. Bei weiterem Einatmen kommen dann noch leichte Noten von Vanille und Karamell zum Vorschein.

Geschmack

Anstatt den Spiritusgeruch auch geschmacklich wiederzuspiegeln, überraschte mich der El Dorado mit einer schönen Milde. Als erstes nimmt man die Süße des El Dorado 12 wahr, weshalb er auch bei den sogenannten Süßrums einzuordnen ist. Umso länger man ihn im Mund spürt, umso klarer werden die Vanille und Karamellnoten. Auch die bereits beim Riechen wahrgenommenen Holznoten lassen sich geschmacklich klar erkennen. Weitere Geschmacksnuancen sucht man beim El Dorado 12 jedoch leider vergeblich.

Fazit

Meine Erwartungen an einen Rum aus dem Luxussegment konnte der El Dorado 12 nicht erfüllen. Für mich ist er ein klassisch nachgesüßter Rum mit dessen Vor- und Nachteilen. Er eignet sich super als Grundlage für Longdrinks, aber zum puren Genießen fehlt dem El Dorado 12 meines Erachtens nach dann doch die Komplexität.

Meinen Eindruck könnt ihr auch HIER in der Rum Tasting Notes App sehen.

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