Nichts für schwache Nerven: Hampden Overproof (Batch 1)

Seit ich den Hampden im Jahr 2019 das erste Mal probiert habe, ist nun einige Zeit vergangen. Dementsprechend freue ich mich, dass Stefan uns im Rahmen des Tastings die Chance gibt, den Hampden Overproof zu testen.

©  Rum Depot

Die Destillerie

Als die Destillerie Hampden 1753 gegründet wurde, war noch nicht absehbar, welche bedeutende Rolle sie zukünftig für Jamaicas Rumproduktion spielen sollte. Durch ihre wilde Fermentation haben sie es geschafft sich als eine der führenden Destillerien im Bereich High-Ester auf Jamaika einen Namen zu machen. Um ihrem guten Ruf gerecht zu werden, überlässt Hampden bei der Produktion ihrer Rumsorten nichts dem Zufall und verwendet sogar ihr eigenes Quellwasser. Für die Fermentation setzen sie, anders als üblich bei der Melasse, wilde Hefekulturen ein und erreichen so einen Fermentationsprozess von zwischen acht bis fünfzehn Tagen. Anschließend wird die Melasse in den sog. Double Retort Pot Stills destilliert. Dieses Verfahren ist charakteristisch für das Hause Hampden und wird bei all ihren Rumsorten angewandt. Die große Bandbreite der unterschiedlichen  Rumsorten erreichen sie durch die unterschiedliche Länge der Fermentation und den daraus resultierenden Esternoten, sowie der Dauer der Reifung. 

Folgende Estermarks sind nach aktuellem Stand bei Hampden gelistet: 

OWHOutram W. Hussey40-80
LFCHLawrence Francis Close Hussey85-120
LROKLight Rum Owen Kelly200-400
HLCFHampden Light Continental Flavoured500-700
<>HHampden900-1000
HGMLHampden George MacFarquhar Lawson1000-1100
C<>HContinental Hampden1300-1400
DOKDermot Owen Kelly-Lawson1500-1600

Doch nicht nur der Herstellungsprozess stellt bei Hampden eine Besonderheit dar. Neben dem Rum als Kerngeschäft, haben sie sich durch ihre Esternotenexpertise ein zweites Standbein geschaffen und beliefern sowohl die Lebensmittel- wie auch die Parfümindustrie mit noch höher konzentrierten Esternoten.

Herstellung

Wie bereits beschrieben, werden die Rumsorten aus Melasse in den Pot Stills gewonnen. Anschließend reifen sie in kleinen Ex-Bourbon Fässern, die gerade mal 190 Liter fassen, für 7 Jahre im  tropischen Jamaica bevor sie für den Hampden Overproof miteinander verblendet und bei Fassstärke abgefüllt werden. Welche Rumsorten und welche Estermarks im Einzelnen für den Hampden Overproof verwendet werden, bleibt Hampdens gut gehütetes Geheimnis. Die Rum Community geht jedoch davon aus, dass aufgrund des Alters die Estermarks OWH (40-80 gr/hL AA Ester), LROK (200 – 400 gr/hL AA Ester) sowie DOK (1500 – 1600 gr/hL AA Ester) zum Einsatz kommen.

Geruch

Wie bei einem Ester Rum üblich, stieg mir beim Hampden Overproof erst einmal ein Geruch von Lack & Klebstoff in die Nase. Nachdem dieser verflogen ist,  handelt es sich um ein reines Dufterlebnis. Ich roch extrem überreife Früchte und sauren Apfel. Kurz danach konnte ich die Früchte als   Ananas, Banane und Rosine identifizieren. Gegen Ende nahm ich außerdem eine Kombination aus diversen Gewürze und Vanille wahr.

Geschmack

Achtung – der Hampden overproof hat es mit seinen 60% ganz schön in sich! Trotz der anfänglichen Schärfe prasselt direkt ein Feuerwerk der Aromen auf euch ein. Analog zum Geruch konnte ich wieder die Ananas und Banane erkennen. Einen gelungenen Kontrast hierzu bildete eine leichte Anisnote. Im Abgang schmeckt der Overproof, bedingt durch die Reifung, etwas holzig. 

Fazit

Ich bin froh dem Hampden Overproof noch eine zweite Chance gegeben zu haben. Sowohl der Duft wie auch der Geschmack überzeugen und  zeigen wie fruchtig und vielfältig die Aromen der Esterrumsorten sein können. Dementsprechend erachte ich den Preis von 80 Euro als angemessen.

Meinen Eindruck könnt ihr auch HIER in der Rum Tasting Notes App sehen.

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