La Hechicera: Kuba meets Kolumbien

Jeder Rum verdient eine zweite Chance. Deswegen habe ich bei meinem letzten Einkauf bei Perola zusätzlich den La Hechicera Rum als Miniaturedition bestellt. War es sinnvoll dem Rum eine zweite Chance zu geben? Lest selbst.

Als sich die Riascos in den 90ern dafür entschieden Rum zu produzieren, hatten sie keine Idee wie sie dieses Ziel erreichen sollten. Zeitgleich begann auf Kuba die Wirtschaftskrise, weil die damalige UDSSR ihren Support reduzierte. So kam es, dass die Anfrage der Riascos in Kuba direkt auf fruchtbaren Boden stieß. Doch die Kubaner wollten nicht den Einfluss von Havana durch den Export von Rum nach Kolumbien und der anschließenden Abfüllung dort beeinflussen. Deswegen war die Basis der Geschäftsbeziehung der reine Wissensaustausch zur Herstellung von Rum.

Sie halfen den Riascos ihre eigene Destillerie und ihr eigenes Lagerverfahren aufzubauen. Aber ähnlich wie auf Kuba hat der Staat ein enormes Mitspracherecht bei der Produktion von Spirituosen. Zum Glück waren die Riascos gewiefte Geschäftsleute und nutzten diverse Schlupflöcher, sodass sie heute der einzige privatisierte und familiengeführte Spirituosenhersteller in Kolumbien sind. Seitdem produzieren sie Rum und optimieren stetig ihr Wissen rund um dessen Herstellung und Lagerung. Das Ergebnis ist die Veröffentlichung des heute vorgestellten Rums La Hechicera im Jahre 2012.

Herstellung

Wie es für den spanischen Stil üblich ist, bildet die Basis ein in Column Still destillierter Rum. Danach wird der Rum in die amerikanischen Weißeichefässer abgefüllt und reift bis zu 21 Jahre. Für den La Hechicera verwendet der Master Blender ausschließlich Destillate, die mindestens 12 Jahre und maximal 21 Jahre gereift sind. Außer der Zugabe von Wasser zur Herabsetzung auf eine Trinkstärke von 40% verzichtet die Destillerie komplett auf die Zugabe von Zucker oder Farbstoffen..

Geruch

Wenn in einem Blend besonders lang gereifte Rumsorten verwendet werden, ist die Gefahr von dominanten Holz- und Vanillenoten sehr hoch. Beim La Hechicera war die Vanille auch sofort präsent, aber die Holznote präsentierte sich mir in der Nase eher von der femininen Struktur. Unterstrichen wurde der feminine Charakter der Holztöne durch flüchtige Noten von Orangenschalenabrieb.

Geschmack

Diesmal konnte ich für mich das ganze Spektrum des La Hechicera erkennen. Es war als hätte ich mir in meinem Lieblingscafe eine Trinkschokolade mit einem Schuss Vanille bestellt. Sehr warm und weich, aber trotzdem intensiv. Die leichten aber würzigen Holznoten rundeten das ganze harmonisch ab.

Fazit

Manchmal brauch ein Rum einfach eine zweite Chance, denn Bananen sind anscheinend ein sehr dominanter Geschmacksträger. Der La Hechicera ist ein leckerer erwachsener Rum. Er begeisterte mich in der Nase mit dem dezenten Orangenabrieb. Dazu passte auch der Geschmack von Milchschokolade ergänzt durch die Würzigkeit der langen Reifung. Für einen Preis von 40 Euro ist er pur für einen genüsslichen Abend zu empfehlen.

Meinen Eindruck könnt ihr auch HIER in der Rum Tasting Notes App sehen.

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